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Offene Bildungsressourcen für das Lernen durch Verantwortung in Schule, Hochschule undZivilgesellschaft

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1 Leave a comment on Absatz 1 0 Open Educational Resources (OER) basieren auf dem Engagement von Lehrenden und Lernenden, die Lernmaterialien und -werkzeuge sowie Lehr-, Projekt-, Mediennutzungs-, und Prüfungskonzepte nutzen, (weiter-)entwickeln, kombinieren, und diese Ressourcen unter freier Lizenzierung zur Verfügung stellen. Sie verkörpern einen Bildungsansatz, der zum einen die Verbesserung des Lehrens und Lernens zum Ziel hat und zum anderen in der Umsetzung dieses Ziels auf Partizipation und Mitgestaltung setzt.

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Da die OER-Bewegung maßgeblich zu einer zivilgesellschaftlichen Öffnung von Bildungsinstitutionen beiträgt, ist sie auch für die sogenannte “Civic Education” von Bedeutung, die darauf abzielt „bei den Mitgliedern der Gesellschaft zivilgesellschaftliche bzw. demokratische Kompetenzen aufzubauen, die ihr Handeln beeinflussen und sicher stellen, dass die Zivilgesellschaft und das demokratische Gesellschaftsmodell in der Praxis funktionieren“ (Frank, 2005, vgl. auch Sliwka, 2001).

3 Leave a comment on Absatz 3 0 In diesem Zusammenhang etabliert sich aktuell zunehmend ein Ansatz, der als „Service Learning“ bezeichnet wird (vgl. Baltes, Hofer & Sliwka 2007; Reinders, 2016). Dabei handelt es sich um eine Lehr-/Lernform, die fachliches und über­fachliches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet und die Werte­bildung fördert. Beispielsweise engagieren sich Studierende im Rahmen curricular verankerter Lehrveranstaltungen für gemeinnützige Projekte und arbeiten mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Das Lernen der Studierenden (“learning”) resultiert dabei zugleich in einem Dienst am Gemeinwohl (“service”).

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Der Konnex zwischen Service Learning und OER wird mit Blick auf den Mitmach-Ansatz der Open-Bewegung deutlich und verbindet die beiden Ansätze konzeptionell. Doch während sich Service Learning an deutschen Hochschulen zunehmender Verbreitung erfreut (vgl. Backhaus-Maul & Roth, 2013; Reinders, 2016), steht es bislang in geringem Ausmaß mit OER in Verbindung. Gleichzeitig stellt gerade die Kombination von Service Learning mit OER eine viel-versprechende Verknüpfung dar: Durch neue Formen des Lernens in Netzwerken und der internetgestützten Kollaboration und Kooperation ermöglichen OER eine zeitliche Flexibilisierung und örtliche Öffnung des Lehrens und Lernens. Service Learning leistet wiederum eine pädagogisch angelegte Verankerung des Lernens in authentisch-situierten Kontexten und betont die soziale Interaktion und zwischenmenschliche Kommunikation. Diese Verbindung lässt sich in Szenarien realisieren, in denen Studierende gemeinsam mit Lehrenden im Rahmen von Lehrveranstaltungen oder in studentischen Initiativen offene Bildungsressourcen gestalten, um sie öffentlich und frei zugänglich zu machen (vgl. Dürnberger, Hofhues & Sporer 2011).

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Konkrete Szenarien sind beispielsweise die studentische eLearning-Förderung der Goethe-Universität Projekte (SeLF), in der Studierende eigenständig Projekte umsetzen und Bildungsressourcen gestalten, die innerhalb und außerhalb der Universität zum Einsatz kommen. Auch die studentischen Medienproduktionen im Rahmen der Ringvorlesung „Medien und Gesellschaft“, in der Lehramtsstudierende digitale Produkte erstellen, die zum Teil in Schulen zum Einsatz kommen, können als exemplarische Szenarien herangezogen werden (Bremer 2011).

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Für die weitere Entwicklung interessant wäre es vor allem, die unterstützende Funktion von Service Learning für die Gestaltung und Verbreitung von OER-Materialien und -Praktiken zu thematisieren und mögliche Ansatzpunkte für Folgeaktivitäten zu identifizieren. Indem die partizipativen und sinnstiftenden Aspekte einer „Civic Education“ in der Debatte um OER stärker aufgegriffen werden, kann ein soziales und kulturelles Innovationspotenzial entstehen. Es kann die Nutzung und Entwicklung von OER in der Lehrpraxis befördert werden sowie offene Materialien und Praktiken gemeinsam mit Akteuren aus Schule, Hochschule und Zivilgesellschaft weiterentwickelt und angewendet werden.

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Baltes, A.; Hofer, M. & Sliwka, A. (2007). Studierende übernehmen Verantwortung – Service Learning an deutschen Universitäten. Weinheim/Basel: Beltz.

9 Leave a comment on Absatz 9 0 Backhaus-Maul, H. & Roth, C. (2013). Service Learning an Hochschulen in Deutschland. Ein empirischer Beitrag zur Vermessung eines jungen Phänomens. Wiesbaden: Springer VS.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Bremer, C. (2011). Studentische E-Learning Projekte in der Hochschule. In: H. Dürnberger, S. Hofhues & T. Sporer (Hrsg.): Offene Bildungsinitiativen: Fallbeispiele, Erfahrungen und Zukunftsszenarien. Münster: Waxmann, S. 41-55.

11 Leave a comment on Absatz 11 0 Dürnberger, H.; Hofhues, S.; Sporer, T. (2011) (Hrsg.): Offene Bildungsinitiativen: Fallbeispiele, Erfahrungen und Zukunftsszenarien. Münster: Waxmann.

12 Leave a comment on Absatz 12 0 Frank, S. (2005). Demokratiebaustein: „Civic education“ – was ist das? Berlin: BLK, S. 11

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Reinders, H. (2016). Service Learning – Theoretische Überlegungen und empirische Studien zu Lernen durch Engagement. Weinheim: Beltz.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 Sliwka, A. (2001). Demokratie lernen und leben: Gutachten und Empfehlungen. Weinheim: Freudenberg Stiftung

Quelle:http://2016.gmw-online.de/357/