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Digitale Evangelisten, Apokalyptiker, Diskurssucher, ‑verweigerer und Münchhausens Trilemma

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Zusammenfassung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Die Diskussionen rund um das Digitale in der Bildung sind in ihrer Vielfalt kaum mehr nachzuvollziehen. Es wird zunehmend schwerer, im Feld für den Diskurs Relevantes ausfindig zu machen. Das liegt auch daran, dass tatsächlich viele Beteiligte wenig Interesse daran haben, ihre Positionen dem wissenschaftlichen Diskurs auszusetzen.

1     Der Versuch einer Rasterung

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Die Lüge der digitalen Bildung, die digitale Demenz aber auch die digitale Bildungsrevolution sind der Grund für viele, sich mit digitalen Medien in der Bildung zu beschäftigen und Gegenpositionen zu formulieren. In sozialen Netzwerken wie auch in den Printmedien werden unzählige – mehr oder weniger – gehaltvolle Texte zum Einsatz digitaler Medien in der Bildung veröffentlicht.[1]

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Enzensberger hat in seinem Beitrag Das digitale Evangelium zwischen digitalen Evangelisten und digitalen Apokalyptikern unterschieden (Enzensberger, 2000). Verwendet man dieses Gegensatzpaar, so sind die Evangelisten jene, die sich für die Digitalisierung der Bildung ohne Wenn und Aber aussprechen. Die Apokalyptiker wären dann jene, welche Medien – insbesondere digitale – am liebsten zur Gänze von Kindern und Jugendlichen fernhalten wollen. Diese beiden Extreme können als Endpunkte einer Skala von -10 bis +10 herangezogen werden. Neben diesem Aspekt ist aber noch ein zweiter wesentlicher Faktor zu berücksichtigen: den der Diskursfähigkeit. Nimmt man das Prinzip der kritischen Prüfung als Grundlage wissenschaftlicher Arbeit, so sollte man den eigenen Thesen immer nur vorläufige Gültigkeit zugestehen und dem Diskurs (der kritischen Prüfung) aussetzen um so Münchhausens Trilemma zu entkommen. Tatsächlich stoßen manche intensiv die Diskussion zu ihren Thesen an (positive Achse der zweiten Dimension), andere lassen den Diskurs geschehen, ohne sich selbst zu beteiligen oder daraus Schlussfolgerungen zu ziehen (0). Und einige Meinungsmacher verweigern sich nicht nur dem Diskurs, sondern verunmöglichen diesen durch Argumente ad hominem, Totschlagargumente, etc. (negative Achse). Wenig überraschend sind das vor allem jene im Feld, die Extrempositionen vertreten. Folglich die zweite Dimension: Diskursbereitschaft. Eine dritte Dimension wäre durch die Endpunkte Didaktisierung und Entdidaktisierung gegeben, denkbar aber auch Theoretiker und Praktiker.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 These für das Knowledge Café: Extrempositionen auf der ersten Achse werden vor allem dann eingenommen, wenn dadurch ein ökonomischer Vorteil entsteht, oder auch aus egozentrischen Motiven, daher ist die Diskursbereitschaft auch nicht sehr hoch. Standpunkte verändern sich im Laufe der Zeit, Bewegungen in allen drei Dimensionen und in allen Kombinationen sind denkbar. Zuordnungen in diesem System betreffen die durch die Person vertretene Position und nicht die Person selbst. Was bewirken Lembkes, Spitzers und Drägers Veröffentlichungen, sind sie Opium für das Volk? Folgt den digital-skeptischen wie digital-euphorischen Diskussionen tatsächlich eine Veränderung im Bildungsalltag? Gibt es einen nennenswerten Impact? Und inwiefern ist Groupthink in diesem Zusammenhang ein Hemmschuh in der Entwicklung? Ich habe den Versuch unternommen, die ersten beiden Skalen mit sechs Fragen zu operationalisieren. Diese Fragen habe ich Studierenden einer Pädagogischen Hochschule und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der EDU|days online zur Beantwortung vorgelegt. Für Gruppe 1 ergeben sich die Mittelwerte von -0,4/-2,5 (s=1,23/6,03; n=37), Gruppe 2 -2,3/-5,5 (s=1,74/5,44; n=70).

2     Ausblick

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Veröffentlichte Beiträge sollten nicht ausschließlich der untaugliche Versuch sein, aus persönlichen Erlebnissen allgemeingültige Theorien abzuleiten ohne seine eigene Meinung auch zur Disposition zu stellen. Auch sollte nicht der ökonomische Vorteil sondern wissenschaftsethische Prinzipien das Leitsystem des Handelns sein. Die Debatte muss für einen nennenswerten wissenschaftlichen Fortschritt tatsächlich und mehrheitlich dem Prinzip der kritischen Prüfung folgen. Mit diesem Beitrag soll die Notwendigkeit der Beachtung des Prinzips der kritischen Prüfung in Zusammenhang mit digitalen Medien in der Bildung betont werden. Halten wir uns den Horizont offen, fördern wir die kritische Prüfung unserer Theorien und durchbrechen wir das Ingroupverhalten!

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Enzensberger, H.M. (2000, Januar 10). Das digitale Evangelium. Der Spiegel, 2. Zugriff am 10.2.2016. Verfügbar unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15376078.html



9 Leave a comment on Absatz 9 0 [1] Erläuternde Grafiken und weitere Literaturangaben zu diesem Beitrag sind hier veröffentlicht: http://www.brandhofer.cc/gmw2016/ ‎

Quelle:http://2016.gmw-online.de/338/