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Angewandte Improvisation: Beiträge zu Kooperation und Peer Learning

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1 Leave a comment on Absatz 1 0 Methoden aus der Angewandten Improvisation gehen auf eine lange Tradition zurück. Das aufeinander Hören, gegenseitige Achtsamkeit wird dabei ebenso erlebt und intensiviert wie insgesamt Kompetenzen, die Grundlagen für Kooperation und Peer Learning im Bildungsbereich sind. Im Workshop wird mit diesen Methoden experimentiert und auch dabei Effekte von Kooperation und peer learning erlebbar. Geliefert werden auch Hinweise zur Anwendung von Improvisationsmethoden in Online-Settings.

1     Begriffsklärung und historische Entwicklung

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Mit dem Begriff „Angewandte Improvisation“ sind Spiele und Methoden gemeint, die sich in dieser Form vom Beginn an des 20. Jahrhundert entwickelt haben. Wobei deren Wurzeln sich bis zum Anbeginn der Menschheitsgeschichte zurückverfolgen lassen:

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Kreieren, Erzählen und Nacherzählen von Geschichten erfolgte bereits an den ersten Lagerfeuern sowie bei verschiedenen Formen ritueller Tänze und Zeremonien die zum einen mündlich übermittelte Versatzstücke enthielten, zum anderen spontan entstandene Elemente (vgl. Frost & Yarrow, 2015). Schon hier war das von- und miteinander Lernen durch Darstellung, Verfremdung und Improvisation eine wesentliche Motivation. Im zweiten Jahrhundert vor Christus entstand in Griechenland das Mimus, ein Vorläufer der Komödie, die auch als Straßentheater oder in einfachen Bretterverschlägen gespielt wurde. Es gab keine Textbücher, die Stücke lebten von der Spontanität der Spielenden, die sich gleichzeitig in der Rolle sahen, Menschen Bildungsinhalte zu vermitteln bzw. zu partizipatven Verhalten zu motivieren. Damit war auch der Vorläufer der Commedia dell‘ arte geboren – Gruppen von SchauspielerInnen zogen von Ort zu Ort und bezogen in ihre Inszenierungen tagesaktuelle und politische Themen ein bzw. improvisierten ebenso aufgrund von Reaktionen des Publikums (vgl. Schmitt, 2010; Scott, 2014). In den 1950er Jahren entstanden dann diese Traditionen wieder aufgreifend erste Improvisationstheatergruppen. Ein zentrales Gestaltungselement ist, dass auf Eingaben und Reaktionen des Publikums immer wieder eingegangen wird, ja diese als Inspiration genutzt werden (vgl. Scott, 2014).

2     Angewandte Improvisation in Bildungssettings

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Schon in den 1920er sammelte die Soziologin und Erziehungswissenschafterin Neva L. Boyd verschiedene Spiele und Übungen, auf dieser Sammlung baute dann Viola Spolin auf, die dabei vor allem die Bereiche Schule und Sozialarbeit im Fokus hatte (vgl. Lösel, 2013). Spolin trug so zu Grundlagen bei zum Einsatz von Improvisations-Games im Bildungsbereich. Diese können in sehr unterschiedlichen Settings umgesetzt werden, auch in Räumen wie einem Hörsaal in denen auf den ersten Blick sehr wenige Bewegungsfreiheiten bestehen. Spolins Ziel war u. a. Kompetenzen wie Kreativität, Selbstwirksamkeit und Kooperationsfähigkeit zu stärken. Ein wichtiges Merkmal der Übungen und Spiele ist dabei, dass die Grenzen zwischen Agierenden und Zuschauenden immer wieder durchbrochen bzw. zu einem synchronen Ablauf werden – ein Ansatz der sich besonders stark auch in Übungen findet, die Augosto Boal gesammelt und entwickelt hat (vgl. Fritz, 2013).

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Damit diese Form von Synchronität zwischen Spielen, Wahrnehmen und Reflektieren gelingt ist gegenseitige Achtsamkeit der Agierenden notwendig sowie das konstruktive Aufgreifen von verbalen sowie nonverbalen Impulsen von anderen Personen also grundlegende Elemente von Kooperation und Kollaboration. Gemeinsam werden Momente erschaffen, in und von denen alle Beteiligten lernen können (vgl. Sawyer, 2011; Becker, 2012) – und zwar offline, online und in Blended Learning – Settings.

3     Hinweise zum Einsatz

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Für die Anwendung von Methoden der Angewandten Improvisation sind u. a. folgende Aspekte für die Auswahl, Planung, Implementierung und Reflexion wichtig:

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Bezug zum Thema: Gemeint ist damit das gesamte didaktische Design (vgl. Reinmann, 2015). Also eine Auseinandersetzung mit Zielen einer Lehrveranstaltung auf Ebene von inhaltlichem Wissen als auch von Kompetenzen (vgl. Astleitner, Wageneder, Lengenfelder & Jekel, 2015). Diese nimmt im Idealfall auch Bezug zu Zielen auf Ebene etwa eines Moduls und des Currciulums eines Studiengangs oder eines Bildungsangebots. Davon ausgehend werden dann für verschiedene Inhalte sowie Lernphasen in Offline- und Onlinesettings verschiedene Methoden ausgewählt, sowohl für die Vermittlung als auch das Assessment. Verschiedene Methoden können dann eben aus dem Feld der Angewandten Improvisation kommen – sie sind, wie alle anderen Methoden, bewusst ausgewählt, auch in Hinblick auf die Platzierung im Ablauf. Über diesen Bezug zum Thema müssen auch die Teilnehmenden ausreichend früh informiert werden bzw. gilt es darüber gemeinsam zu reflektieren.

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Raum für Debriefing: Reflektierende Herangehensweisen und Methoden tragen wesentlich zum Gelingen und zu nachhaltigen Effekten von Lernprozessen bei. Dazu verweist Smith (1999) u. a. auf die Forschungen des Pädagogen John Dewey, des Philosophen Donald Schön sowie von Lerntheoretikern wie David A. Kolb. Wichtig ist nach jedem Einsatz von Improvisationsmethoden eine Zeit für die Reflexion vorzusehen sowie dazu gezielt Methoden und Fragestellungen auszuwählen. Ein wichtiges Thema im Zusammenhang zum didaktischen Design ist die Reflexion der Auswahl der jeweiligen Methode.

9 Leave a comment on Absatz 9 0 Aufwärmen: Die Praxis zeigt, dass es verschieden ‚intensive‘ Formen von Improvisationsmethoden gibt. Für manche ist es wichtig, dass es vorangehende Spiele gibt, die eine Annäherung an die Methoden unterstützen, u. a. einfache Assoziationsspiele mit Worten, Gesten bzw. im gemeinsamen Gehen (vgl. Berk & Treiber, 2009). Auch bei diesen Spielen ist der Bezug zum Thema wichtig.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Partizipation: Ein wesentliches Grundprinzip von Improvisationsmethoden sind Vorgaben etwa zu Orten, Emotionen, Beziehungen, Genres oder Zeitpunkt von Handlungssequenzen. Es ist wichtig, dass diese möglichst bald von den Agierenden selbst formuliert werden, auch damit deren Themen noch stärker einfließen können. Gefördert wird so auch dass kooperative Lernen in / mit Improvisationsmethoden (vgl. Berk & Treiber, 2009).

11 Leave a comment on Absatz 11 0 Ergebnissicherung: Ein wichtiger Aspekt bei Improvisation ist ‚Im Moment zu sein‘: Ergebnisse von Improvisation sind flüchtig, ja unwiederholbar (vgl. Scott, 2014). Umso wichtiger ist, die Dokumentation so sicherzustellen, dass sie zum einen den intuitiven Prozess nicht stört und gleichzeitig auch asynchronen Zugang zu entstehenden Ideen, Konzepten, Einsichten usw. ermöglicht.

4     Der Workshop

12 Leave a comment on Absatz 12 0 Im Workshop werden gemeinsam verschiedene Improvisationsmethoden ausgetestet – ein wesentlicher Aspekt für die nachhaltige Wirksamkeit ist dabei bewusst gewählte Fragen und Methoden für eine Reflexion des Erlebten sowie von entstandenen Ideen und Erkenntnissen. Eine zentrale Fragestellung ist dabei, wie solche Methoden weiterentwickeln werden können um Kooperation zu initiieren, begleiten und immer wieder neu anzustoßen. Weiters wird dabei der Einsatz der Methoden für die Förderung und Umsetzung von Peer Learning analysiert – dies erfolgt im gemeinsamen Tun in einer Art und Weise, die gleichzeitig unmittelbar erleben lässt, wie Improvisationsmethoden konstruktivistische Lernprozesse ermöglichen und fördern können (vgl. Scott, 2014).

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Ausgangspunkt für den Workshop ist ein Blogpost, der sowohl schon im Vorfeld eine Auseinandersetzung mit der Thematik unterstützt als auch eine reflektierende Nachbereitung. Darin fließen auch Ergebnisse des Workshops u. a. in Form von Fotos ein. Dieser Workshop versteht sich als Teil des Dissertationsprojekts improflair, bei dem ich den Einsatz von Improvisationsmethoden in offline und online Lernsettings untersuche (http://www.improflair.at/zum-begriff-improflair/improflair-die-dissertation).

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Astleitner, G., Wageneder, G.; Lengenfelder P. & Jekel A. (2015). 12 Tipps für eine kompetenzorientierte Lehre. Universität Salzburg. http://www.uni-salzburg.at/fileadmin/multimedia/Qualitaetsmanagement/documents/Handbuecher/12_Tipps_f%C3%BCr_eine_kompetenzorientierte_Lehre.pdf

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Becker, T. (2012). Evaluating improvisation as a technique for training preservice teachers for inclusive classrooms. University of Central Florida, Orlando. Abgerufen von http://etd.fcla.edu/CF/CFE0004516/Becker_Theresa_C_201212_PhD.pdf

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Berk, R. A., & Trieber, R. H. (2009). Whose Classroom Is It, Anyway? Improvisation as a Teaching Tool. Journal on Excellence in College Teaching, 20(3), 29 – 60.

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Fritz, B. (2013). Auf den Spuren des revolutionären Theaters von Augusto Boal zur autopoietischen Theaterarbeit ins 21. Jahrhundert. Abgerufen von http://othes.univie.ac.at/28450/

19 Leave a comment on Absatz 19 0 Frost, A., & Yarrow, R. (2015). Improvisation in Drama, Theatre and Performance: History, Practice, Theory (3. Ausgabe). London: Palgrave Macmillan.

20 Leave a comment on Absatz 20 0 Lösel, G. (2013). Das Spiel mit dem Chaos: Zur Performativität des Improvisationstheaters. Bielefeld: Transcript.

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Reinmann, G. (2015). Studientext Didaktisches Design. Hamburg. Abgerufen von http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2013/05/Studientext_DD_Sept2015.pdf

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Sawyer, R. K. (Hrsg.). (2011). Structure and Improvisation in Creative Teaching. Cambridge ; New York: Cambridge University Press.

23 Leave a comment on Absatz 23 0 Scott, J. (2014). Improvisation in the Theatre: An Intersection Between History, Practice, and Chaos Theory. Texas Tech University, Lubbock. Abgerufen von https://repositories.tdl.org/ttu-ir/handle/2346/58714?locale-attribute=de

24 Leave a comment on Absatz 24 0 Schmitt, N. C. (2010). Improvisation in the Commedia dell’Arte in its Golden Age: Why, What, How. Renaissance Drama, 38(1), 225–249. http://doi.org/10.1353/rnd.2010.0005

25 Leave a comment on Absatz 25 0 Smith, M. (1999). Reflection, learning and education. Abgerufen von

26 Leave a comment on Absatz 26 0 http://infed.org/mobi/reflection-learning-and-education/

Quelle:http://2016.gmw-online.de/320/