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Das Kooperationsprojekt PädagogInnenbildung NEU – Entwicklung und Durchführung eines einheitlichen Aufnahmeverfahrens

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1 Leave a comment on Absatz 1 0 Das Kooperationsprojekt „PädagogInnenbildung NEU“ umfasst die Entwicklung, Durchführung und Evaluation des dreistufigen Aufnahmeverfahrens für Lehramtsstudien an Universitäten und pädagogischen Hochschulen in ganz Österreich. Diese landesweite Zusammenarbeit stellt eine einzigartige Möglichkeit der langfristigen Datenerhebung dar und sichert somit nicht nur die Entwicklung eines gut evaluierten, abgesicherten standardisierten Aufnahmeverfahrens, sondern bietet außerdem die Möglichkeit zur Untersuchung einer Vielzahl wissenschaftlicher Fragestellungen im pädagogischen Kontext.

1     Einleitung

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Seit November 2013 läuft das Kooperationsprojekt „Auswahlverfahren für die PädagogInnenbildung NEU“ an inzwischen 20 österreichischen Bildungsinstitutionen (sowohl Universitäten als auch pädagogische Hochschulen) in allen neun Bundesländern und bietet, mit dem fortlaufenden Ziel der ständigen Weiterentwicklung und Evaluation, die Gelegenheit der langfristigen Qualitätssicherung und Festlegung einheitlicher Standards für den Zugang zur LehrerInnenausbildung in Österreich (Neubauer et al., submitted).
Darüber hinaus wird der Grundstein für eine international einzigartige Längsschnittstudie gelegt, in der die Kompetenzentwicklung der Lehramtsstudierenden von Beginn des Studiums bis in den LehrerInnenberuf untersucht werden kann. Erkenntnisse aus dieser Längsschnittstudie können wiederum in die kontinuierliche Anpassung des Aufnahme- und Auswahlverfahrens, sowie in die Optimierung des Lehramtsstudiums per se einfließen. Die landesweite Kooperation, sowohl in der Entwicklung und Durchführung des Aufnahmeverfahrens, als auch in der weiteren wissenschaftlichen Forschung und Evaluation, ist einmalig und zieht national und international große Aufmerksamkeit auf sich.

2     Aufbau und Inhalte des Aufnahmeverfahrens

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Das Auswahl- und Aufnahmeverfahren setzt sich aus drei Stufen zusammen:

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Stufe 1: das Online-Self-Assessment

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Stufe 2: die computerbasierte Gruppentestung

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Stufe 3: das Face-to-Face-Assessment

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Abb. 1: Aufbau des dreistufigen Aufnahmeverfahrens für LehrerInnen

Der erste Schritt des Aufnahmeverfahrens ist die Online-Registrierung über ein gemeinsames Anmeldeportal, wodurch Mehrfachanmeldungen an den beteiligten Institutionen verhindert werden sollen. Neben der Registrierung ist die Durchführung eines Online-Self-Assessments, welches der persönlichen Reflexion zur Passung des LehrerInnenberufs dienen soll, verpflichtend. Dieses wird über die Plattform „Career Counselling for Teachers“ (CCT) zur Verfügung gestellt. Auf dieser werden neben dem verpflichtenden Assessment noch einige weitere Tools zur Selbsterkundung angeboten, sodass angehende Lehramtsstudierende die Möglichkeit haben, sich intensiv mit dem Berufsbild des/r LehrerIn auseinanderzusetzen. Für den Einsatz von CCT als erste Stufe des Aufnahmeverfahrens wurden eigens neue Verfahren entwickelt, sodass der Komplexität beruflicher Entscheidungen und Entwicklungen bestmöglich Rechnung getragen wird.

9 Leave a comment on Absatz 9 0 Die zweite Stufe des Aufnahmeverfahrens bildet eine computerbasierte Gruppentestung, bei welcher Merkmale und Ressourcen, die sich als prognosetauglich für die Bewältigung der Studien- und Berufsanforderungen erwiesen haben, erhoben werden. Neben kognitiven Lernvoraussetzungen, welche durchgehend als gewichtige Prädiktoren für Lern- und Studienerfolg genannt werden (Stern & Neubauer, 2013; Mayr, 2009; Kuncel und Hezlett, 2010) und der Sprachkompetenz, welche ebenfalls einen guten Prädiktor von Studienerfolg darstellt (Schulz-Kolland et al., 2014; Graham, 1987), wird insbesondere auch

10 Leave a comment on Absatz 10 0 darauf geachtet, Merkmale zu erfassen, welche für den späteren Berufserfolg als LehrerIn relevant sind. So werden, neben dem sehr gut erforschten Bereich der Persönlichkeit (Poropat, 2009; Mayr, 2012), unter anderem auch emotionale Kompetenzen stark in den Mittelpunkt gestellt. Das Projekt beschreitet hier in gewissen Bereichen Neuland und konzipiert die LehrerInneneignung um einiges breiter, als es bisher üblich war. Die 2016/17 eingesetzten Verfahren wurden, mit Ausnahme des Tests für kognitive Leistungsvoraussetzungen und für die Big Five der Persönlichkeit, im Rahmen des Projekts entwickelt und sind somit speziell für die Auswahl von angehenden LehrerInnen angelegt.
Besonders hervorzuheben sind die emotionale Kompetenz sowie die Aspekte der Kreativität, da diese Facetten bisher eher wenig Beachtung in Aufnahmeverfahren für LehrerInnen fanden. Die emotionale Kompetenz wird einerseits über die Fähigkeit zur Erkennung von Emotionen bei Kindern und Jugendlichen in Form eines Bildtests, andererseits über die Fähigkeit zur inter- und intraindividuellen Emotionsregulation über einen Situational Judgement Test, welcher sich im Speziellen auf typische Situationen im pädagogischen Kontext bezieht, erhoben. Bei den Aspekten der Kreativität geht es nicht um die eigene Fähigkeit kreative Leistungen zu bringen, sondern vor allem darum, kreatives Potential zu erkennen und dieses wertzuschätzen.
Die kognitiven Fähigkeiten werden über Tests zum figuralen, verbalen und numerischen Verständnis gemessen und für die Feststellung der Sprachkompetenz werden die Bereiche Rechtschreibung, Grammatik und Leseverständnis abgefragt. Des Weiteren werden persönliche Ressourcen erhoben, die sich, wie bereits erwähnt, an den Big Five Merkmalen (Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus) orientieren, sowie einen Fokus auf das Gesundheitsverhalten, die Belastbarkeit und Stressbewältigung legen.
Das Verfahren beruht auf dem Prinzip, dass in den abgeprüften Bereichen eine gewisse Mindestvoraussetzung nötig ist, da diese nicht anderweitig kompensiert oder aufgeholt werden kann, um den späteren LehrerInnenberuf erfolgreich meistern zu können.
2015/16 durchliefen 3139 StudienanwärterInnen den schriftlichen Teil des Aufnahmeverfahrens, wobei ca. 13% aufgrund des Ergebnisses des computerbasierten Tests nicht zum Studium zugelassen wurden. 2016/17 wird mit mehr als doppelt so vielen BewerberInnen gerechnet.
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11 Leave a comment on Absatz 11 0 Als StudienbewerberIn hat man die Möglichkeit, die Computertestung an einer beliebigen beteiligten Institution zu absolvieren, welche nicht mit dem späteren Studienort übereinstimmen muss. So wird durch die Kooperation eine große zeitliche und örtliche Flexibilität gewährleistet. Alle eingesetzten Tests laufen über das System Perception 5.7 von Questionmark. Die erhobenen Daten werden auf eine eigens programmierte Plattform importiert und dort miteinander verknüpft, sodass ein reibungsloser Ablauf sichergestellt ist. Aufgrund der speziellen Anforderungen (wie z.B. externer Zugriff durch die Partnerinstitutionen) wurde das System ausschließlich für das Zulassungsverfahren aufgesetzt.
Aus technischer Sicht stellt das Zusammenspiel der Systeme, wie die Schnittstelle zwischen Anmeldeportal und Prüfungssystem, eine besondere Herausforderung dar.
Alle teilnehmenden Institutionen durchliefen vor dem Stattfinden der ersten Testungen technische Schulungen, welche von dem zuständigen IT-Personal der Karl-Franzens-Universität durchgeführt wurden. Für den Zeitraum der elektronischen Prüfungen (dieses Jahr von Mai bis September 2016) steht außerdem eine eigens eingerichtete Hotline für den technischen Support aller Partnerinstitutionen zur Verfügung.

12 Leave a comment on Absatz 12 0 Die dritte Stufe des Aufnahmeverfahrens stellt das Face-to-Face-Assessment dar, mit welchem spezielle Facetten der Studien- und Berufsmotivation sowie berufsrelevante psychosoziale Kompetenzen überprüft werden. Die Umsetzung erfolgt über ein standardisiertes Interview, welches Simulationsaufgaben enthält, bei denen die BewerberInnen mit lehralltagstypischen Situationen konfrontiert werden. Da diese Stufe des Aufnahmeverfahrens eines hohen personellen Aufwands bedarf, ist die Umsetzung vor allem an den Universitäten sehr schwierig und das Face-to-Face-Assessment findet seinen Einsatz momentan nur bei StudienanwärterInnen der Primarstufe an ausgewählten Einrichtungen.

2.2 Ablauf des Aufnahmeverfahrens

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Die Anmeldung erfolgt über ein zentrales Anmeldeportal (www.zulassungslehramt.at) mit Auswahl des Studien– und Prüfungsorts innerhalb einer vorgegebenen Frist, in der auch das Self-Assessment absolviert werden muss.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 Zur Computertestung finden sich die BewerberInnen am jeweiligen Prüfungsort ein und werden dort in die Computerräume gebracht, wo sie sich mit ihren Zugangsdaten einloggen. Dieses Jahr wird erstmals ein SecureBrowser angeboten, der ein Verlassen des Browserfensters verhindert.
Die Prüfung ist aus 8 Teilprüfungen aufgebaut. In der Regel erscheint eine Frage am Bildschirm, die beantwortet werden muss, ehe man zur nächsten Frage springen kann. Die Weiterleitung zur nächsten Teilprüfung erfolgt dann automatisch.

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Für das Face-to-Face-Assessment wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt, der von den PrüferInnen ausgefüllt und eingescannt wird. Das Einlesen und die Auswertung erfolgt dann zentral mit dem Tool FormPro.

3     Kooperation in der Forschung

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Die im Rahmen des Aufnahmeverfahrens erhobenen Daten bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Untersuchung wissenschaftlicher Fragestellungen. Ein wissenschaftlicher Beirat, zu welchem jede beteiligte Institution die Möglichkeit hat, Mitglieder zu stellen, koordiniert die Forschungs- und Publikationsvorhaben aus dem Gesamtprojekt. So werden die Qualität von Publikationen sichergestellt und Redundanzen vermieden.

Literatur

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Graham, J.G. (1987). English Language Proficiency and the Prediction of Academic Success. TESOL Quarterly, 21(3), 505-521.

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Kuncel, N. R., & Hezlett, S. A. (2010). Fact and fiction in cognitive ability testing for admissions and hiring decisions. Current Directions in Psychological Science, 19(6), 339-345.

19 Leave a comment on Absatz 19 0 Mayr, J., (2012). Persönlichkeit und psychosoziale Kompetenz: Verhältnisbestimmung und Folgerungen für die Lehrerbildung. In D. Bosse et al (Hrsg.), Professionelle Lehrerbildung im Spannungsfeld von Eignung, Ausbildung und beruflicher Kompetenz. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

20 Leave a comment on Absatz 20 0 Mayr, J., & Neuweg, G. H. (2009). Lehrer/innen als zentrale Ressource im Bildungssystem: Rekrutierung und Qualifizierung. Nationaler Bildungsbericht Österreich, 2, 99-119.

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Neubauer, A., Koschmieder, C., Krammer, G., Mayr, J.,Müller, F., Pflanzl, B., Pretsch, J., Schaupp, H. (submitted). Ein neues Verfahren zur Eignungsfeststellung und Bewerberauswahl für das Lehramtsstudium: Kontext, Konzept und erste Befunde. Zeitschrift für Bildungsforschung.

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Poropat, A. E. (2009). A meta-analysis of the five-factor model of personality and academic performance. Psychological bulletin, 135(2), 322.

23 Leave a comment on Absatz 23 0 Schulz-Kolland, R., Krammer, G., Rottensteiner E., & Weitlaner, R. (2014). Die Validität von Zulassungsverfahren – Befunde der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Neue@Hochschulzeitung, 3, 85-88.

24 Leave a comment on Absatz 24 0 Stern, E., & Neubauer, A.C. (2013). Nature via Nurture. Warum eine Universität für alle niemandem nützt: Intelligenzunterschiede lassen sich nicht reduzieren. Forschung & Lehre, 8, 2013.
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Quelle:http://2016.gmw-online.de/217/