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Booksprints im Hochschulkontext: Drei erfolgreiche Beispiele für das gemeinsame Schreiben in kurzen Zeiträumen

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1 Leave a comment on Absatz 1 0 Das gemeinsame Schreiben in kurzen Zeiträumen in sogenannten „Booksprints“ hat vor allem durch digitale Technologien an Fahrt gewonnen. Plattformen zur virtuellen Kooperation und Kommunikation sowie schließlich auch zur Online-Veröffentlichung ermöglichen einen gemeinsamen, räumlich verteilten und parallelisierten Veröffentlichungsprozess, welcher Absprachen und Übergänge teils drastisch verkürzt. Gerade im Bereich der Hochschulen gibt es jedoch nur wenige Beispiele für Booksprints. In der folgenden vergleichenden Fallstudie werden drei erfolgreiche Beispiele miteinander verglichen: eine beim E-Learning-Tag in Koblenz in drei Stunden erstellte Textsammlung zu persönlichen Erinnerungen an Lieblings-Lernmedien (Auwärter u.a., 2013), die Überarbeitung des Lehrbuchs „Lernen und Lehren mit Technologien“ in 7 Tagen, an dem sich mehr als 250 Mitwirkende beteiligten (L3T 2.0, Ebner & Schön, 2013) sowie ein dreitägiger Booksprint mit der Sammlung von innovativen Fallbeispielen zu neuartigen Geschäftsmodellen des Hochschulforums Digitalisierung (Bremer u.a., 2015). Eine Darstellung der Lessons Learned bzw. Empfehlungen für Nachahmer/innen schließt den Beitrag ab.

1     Booksprints – gemeinsames Schreiben in knapper Frist

2 Leave a comment on Absatz 2 0 Die Idee der „Büchersprints“ oder auch „Booksprints“ (von engl. book sprint) wurde entwickelt, um Dinge, die sonst gerne liegen bleiben und nicht verschriftlicht werden, als Gruppe anzugehen: Gemeinsam am runden Tisch treffen sich so Expertinnen und Experten für einige Tage und schreiben Dokumentationen zu Software-Code oder Handbücher für Software-Anwendungen (Kean, 2012). Diese „Sprints“, im Sinne eng getakteter, kollaborativer Arbeitsprozesse sind in anderen Kontexten längst üblich und diesen entlehnt. Zennaro u.a. (2013) legen insbesondere die Verwandtschaft zur agilen Softwareentwicklung nach SCRUM dar, in welcher Sprints ein zentrales Element darstellen (Schwaber & Beedle, 2002).

3 Leave a comment on Absatz 3 0 Bislang werden Booksprints selten im Kontext von Hochschulen durchgeführt. Mögliche Gründe könnten darin liegen, dass eine ausführliche Qualitätssicherung und eine intensive Beschäftigung mit den Themen nur schwer in einem Booksprint realisiert werden können. Dennoch zeigten Einzelfälle, dass dies dennoch möglich zu sein scheint. Die nachfolgende Studie widmet sich daher der Frage: Wie gelingt es, in kurzen Zeiträumen im Kontext von Hochschulen gemeinsam Texte zu veröffentlichen?

2     Drei Booksprints

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Im Folgenden werden im Rahmen einer vergleichenden Fallstudie drei erfolgreiche Booksprints aus dem Hochschulkontext aus den vergangenen drei Jahren gegenübergestellt. Aufgrund der explorativen Natur der Forschungsfrage, welche einen expliziten Bezug zu einem gegenwärtig in Entwicklung befindlichen Forschungsobjekt aufweist, eignet sich diese Methode nach Yin (2013) in besonderer Weise. Als Datenbasis konnte bei den zwei älteren Fallstudien auf die umfangreiche Dokumentation zurückgegriffen werden (vgl. Ebner u.a., 2014). Weiterhin wurden öffentliche Informationen verwendet sowie Daten, die sich aus der Rolle der Autor/innen ergeben, die an allen drei Fällen in leitender Rolle aktiv waren.

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Die Fälle umfassen (1) eine Textsammlung zu persönlichen Erinnerungen an Lieblings-Lernmedien beim E-Learning-Tag in Koblenz, die in drei Stunden erstellt wurde, (2) die siebentägige Überarbeitung des Lehrbuchs „Lernen und Lehren mit Technologien“, bei der mehr als 250 Mitwirkende beteiligt waren (L3T 2.0) sowie (3) einen dreitägigen Booksprint zur Sammlung von innovativen Fallbeispielen zu neuartigen Geschäftsmodellen des Hochschulforums Digitalisierung. Im Folgenden werden die einzelnen Fälle eingeführt.

2.1  In drei Stunden zur Textsammlung rund um Lieblings-Lern-Content

6 Leave a comment on Absatz 6 0 Im Rahmen der „Koblenzer E-Learning-Tage“ (KELT11) wurde am 10.6.2013 ein dreistündiger Booksprint durchgeführt. Ziel war es, „ein (kleines) E-Book mit dem Arbeitstitel ‚Lernmaterialien, die mich inspirier(t)en – Mein Lieblings-Lern-Content’“ (aus der Einladung) zu erstellen. Der Booksprint fand am Nachmittag als Abschluss der Veranstaltung statt. Als Unterlagen für die Teilnehmer/innen, die teils auf Pinnwänden aushingen, teils gedruckt erhältlich waren, wurden Prozessabläufe dargestellt und Aufgaben beschrieben. Auch gab es vorbereitete virtuelle Schreibräume (Etherpads), die gemeinsam und zeitgleich von den Autor/inn/en, Gutachter/inne/n, Lektor/inn/en und Layout-Verantwortlichen genutzt und eingesehen werden konnten. Gestartet wurde der Booksprint jedoch zunächst mit einer Begrüßung, einer Einstimmung und organisatorischen Erläuterungen (vgl. Tabelle 1).

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Tab. 1: Ablaufplan des Booksprints bei den Koblenzer E-Learning-Tagen

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Hilfsmittel und Technik

12 Leave a comment on Absatz 12 0 Vorstellung des Vorhabens, Organisatorisches; Verteilung der Aufgaben (20 Min.)

13 Leave a comment on Absatz 13 0 Aufgaben und Stellenbezeichnungen sowie Informationen und Hilfsmittel werden vorgestellt und verteilt.

14 Leave a comment on Absatz 14 0 Lern- und Entwurfsphase

15 Leave a comment on Absatz 15 0 Einarbeiten in Aufgaben bzw. Textskizze (20 Min.)

16 Leave a comment on Absatz 16 0 Weitergehende Informationen, Ablaufdiagramme und Tipps für alle Beteiligten, u.a. auf Pinnwänden und ausgedruckt.

17 Leave a comment on Absatz 17 0 Produktionsphase

18 Leave a comment on Absatz 18 0 Umsetzung  (20 Min.)

19 Leave a comment on Absatz 19 0 (a) Zentrales Etherpad mit allen Informationen und Links zu anderen Etherpads (b) Google-Doc, freigeschaltet zum Beobachten der Entwicklung des finalen Dokuments (c) Webpage mit dem finalen PDF

20 Leave a comment on Absatz 20 0 Die Aufgabenbeschreibung sowie der Ablaufplan beschreiben detailliert, wer welche Aufgaben hat und wie die Prozesse voneinander abhängen. Zudem wurde auf einer Pinnwand der Projektfortschritt festgehalten: Wo stehen die einzelnen Kapitel? Wie ist die Lage (dargestellt mit „Wetterkarten“)? Alle Beteiligten wussten dabei, dass der Booksprint auch als ein Testdurchlauf für die später durchgeführte Aktion von L3T 2.0 geplant war und beteiligten sich abschließend an der Diskussion über Verbesserungsmöglichkeiten.

21 Leave a comment on Absatz 21 0 Nicht alle der 23 Teilnehmer/innen hatten eigene Laptops dabei, dafür wurden jedoch Geräte vom Team vor Ort ausgeben. Die Texte wurden selbst in Etherpads, einem offen zugänglichen Werkzeug für gemeinsame Texte geschrieben, die finale Layoutierung des Beitrags erfolgte mit Hilfe von Google-Doc, die Veröffentlichung in einem WordPress-Weblog. Nach etwas mehr als drei Stunden wurde das kleine Buch mit neun persönlichen Geschichten zu Lernmaterialien veröffentlicht; inklusive Beschreibung, PR-Text, offener Lizenz und allen weiteren Angaben (vgl. Auwärter u.a., 2013). Das komplette E-Book wurde unter einer CC-BY-Lizenz veröffentlicht. Eine genaue Beschreibung und Lessons Learned des Booksprints wurde im Rahmen der Projektevaluation von L3T 2.0 veröffentlicht (Ebner u.a. 2013). So gab es z.B. Koordinationsschwierigkeiten durch das immer zugängliche Etherpad. Obwohl „formal“ Kapitel an andere Prozessbeteiligte weitergegeben wurden, haben u.a. die Autorinnen und Autoren, aber auch Lektor/innen weiter an den Texten gearbeitet, soweit sie Zugriff darauf hatten. So haben es auf einmal Kommentare u.ä. in die Endversion geschafft, die zwischenzeitlich in „finalisierten“ Versionen nicht mehr standen.

2.2  In zwei Tagen zur Sammlung von innovativen Fallbeispielen

22 Leave a comment on Absatz 22 0 Mit drei Tagen hat sich die Themengruppe „Neue Geschäftsmodelle, Technologien & Lebenslanges Lernen“ des Hochschulforums Digitalisierung[1] mehr Zeit genommen. Die Zielsetzung war dabei, mit Hilfe von ausgewiesenen Expertinnen und Experten des Hochschulforums eine Sammlung von Fallbeispielen zu neuen Geschäftsmodellen für innovative Themen der technologiegestützten Lehre zu erstellen. Die Themen wie auch die Fallbeispiele selbst wurden dabei im kleinen Kreis festgelegt. Dabei spielten zum einen Kriterien wie die Diversität und Innovation bei den Fallbeispielen eine Rolle, es wurde zum anderen auch bedacht, ob genügend einschlägige Informationen und Literatur dazu online verfügbar sind. Zwölf Personen werden als Autorinnen und Autoren genannt, jedoch waren nur sechs davon an mindestens zwei Tagen anwesend, drei Personen waren nur online aktiv und eine weitere war erst im Nachgang, bei der Überarbeitung der Beiträge, involviert. Dies ist wohl auch das Charakteristikum dieses Booksprints: Er war von vornherein als intensives, gemeinsames Schreiben und Reviewen angedacht, die finale Überarbeitung wurde dann aber im Nachgang von mehreren Personen übernommen, auch die Veröffentlichung erfolgte erst einige Wochen später.

23 Leave a comment on Absatz 23 0 Technisch wurde beim Booksprint mit vorstrukturierten Google-Docs gearbeitet, bei denen alle Mitmacher/innen freigeschaltet wurden. Alle arbeiteten an den eigenen Rechnern (Laptops). Der bereitgestellte Drucker wurde dabei nicht genutzt. Nach einer Vorstellung der Zielsetzung, der Vorarbeiten sowie des Ablaufs des Booksprints wurde mit der Arbeit begonnen. Dabei wurde zunächst mit einer kleineren Zahl von Themen begonnen, zu denen es jeweils galt, Einführungstexte zu schreiben sowie 3 bis 5 Fallbeispiele nach einer vorgegebenen Struktur. Wer welche Texte schreibt bzw. begutachtet, konnten die Beteiligten auf Zuruf bzw. mit Hilfe der Moderation und einem zentralen Whiteboard absprechen (vgl. Abb. 2). Für die virtuell mitschreibenden Autor/innen gab es keine Visualisierung, da ursprünglich nicht mit diesem Szenarium geplant wurde. Als klar war, dass die „kleine“ Variante der geplanten Texte möglich schien, wurde eine erweiterte Fassung angepeilt und die Themen bzw. Zahl der Fallbeispiele pro Thema erhöht (in gelb, blau und grün markiert, siehe Abb. 2).

24 Leave a comment on Absatz 24 0 Da beim gemeinsamen Schreiben auch ein gelungener sozialer Austausch wichtig ist und dem gemeinsamen Feiern von Erfolgen Raum gegeben werden sollte, wurden drei Pakete für die drei (Zwischen-) Ziele vorbereitet. Die Nachbereitung der Beiträge war zeitintensiv, so wurden einzelne Fallstudien erst nach den drei Tagen angefertigt, und redaktionelle Anpassungen waren notwendig. Die Veröffentlichung erfolgte daher erst zeitlich versetzt.

2.3  In sieben Tagen zur Neuauflage eines Lehrbuchs (L3T 2.0)

25 Leave a comment on Absatz 25 0 Hinter „L3T“ verbirgt sich das „Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien“, das im Frühjahr 2011 online geschaltet wurde: Mehr als 100 Autorinnen und Autoren hatten sich an dem Vorhaben beteiligt, erstmals ein frei zugängliches und verwendbares Lehrbuch für das dynamische, interdisziplinäre Fachgebiet des technologiegestützten Lernens zu schreiben (Ebner & Schön, 2011). Wie es gelang, die Mitmacher/innen zusammenzubringen und in welcher Weise es rund um die PDF-Version des Buches weitere Ergänzungen zum ehrenamtlichen Projekt gab, beispielsweise Apps, wurde ausführlich beschrieben (vgl. Alimucaj u.a., 2012). Inzwischen gibt es L3T in einer zweiten, völlig überarbeiteten Auflage (Ebner & Schön, 2013). Sie entstand unter herausfordernden Rahmenbedingungen: In nur sieben Werktagen wurde das Lehrbuch im Projekt „L3T 2.0“, also in Form eines Booksprints komplett überarbeitet und erweitert (vgl. Ebner u.a., 2014).

26 Leave a comment on Absatz 26 0 Für die sieben Tage wurde schon vergleichsweise früh folgende Abbildung zu den Abläufen skizziert (vgl. Abb. 1). Dargestellt werden dabei wesentliche „Hauptbelastungen“. Da etliche Autor/inn/en schon im Vorfeld ihre Beiträge eingereicht und überarbeitet hatten, konnten vom ersten Tag an auch die Lektorinnen und Illustrator/innen (sowie natürlich die Autor/inn/en und Reviewer/innen) zum Einsatz kommen. Plangemäß war am zweiten Tag der erste Beitrag für das Layout bereit.

27 Leave a comment on Absatz 27 0 image001.pngAbb. 1: L3T 2.0: Prozesse rund um die Kapitel in den 7 Tagen

28 Leave a comment on Absatz 28 0 Während also zahlreiche Aktivitäten schon vorher gestartet waren, als sie in diesem Plan der sieben Tage dargestellt wurden, war äußerste Disziplin bei den „Enddaten“ gefragt: Ein Projekt dieser Art kann Verzögerungen nicht mehr wettmachen.

29 Leave a comment on Absatz 29 0 Im Unterschied zu den bisher beschriebenen Booksprints fand die Hauptarbeit nicht in einer zentralen Räumlichkeit statt, sondern war komplett virtuell verteilt, wobei mit neun sog. L3T-Camps in Österreich und Deutschland die Möglichkeit bestand, sich zu treffen – einige der Mitmacher/innen fuhren gezielt am letzten Tag in eines der Camps, um auf den gemeinsamen Erfolg anzustoßen.

30 Leave a comment on Absatz 30 0 Zu den eher „traditionellen“ Aufgaben und Rollen bei L3T gehören die Autor/inn/en, die Gutachter/innen, die Lektor/inn/en und die Illustrator/inn/en. Die sog. Layouter/innen übertragen die Beiträge in einen eigenen programmierten L3T-Editor, der eine html-, eine epub- sowie eine PDF-Ausgabe (komplett und einzelne Beiträge) generieren konnte. Neben den traditionellen qualitätssichernden Maßnahmen bei der Lehrbucherstellung gab es, einige Serviceleistungen rund um die Lehrbucherstellung: Der L3T-Literatur-Service organisierte Originalliteratur, wenn zum Beispiel die korrekte Seitenzahl für ein Zitat fehlte. Die Lektorats-Hotline diente Autorinnen und Autoren sowie den Lektorinnen und Lektoren bei allen Unsicherheiten. Juristische Auskünfte, insbesondere um die eingesetzte CC-BY-SA-Lizenz und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Illustrationserstellung, gab es auch in Form einer „Lizenz-Hotline“. „L3T-Nachweis und -Archivierung“ hieß ein weiterer Service, der sich um die langfristige Archivierung bemühte. „Checker/innen“ kontrollierten gezielt gendergerechte Formulierung in den Beiträgen bzw. die bibliographischen Angaben. Spontan in den sieben Tagen entwickelt wurden die „Literatur-Detektive“, die fragwürdige bzw. lückenhafte Zitationen und Zitatangaben kontrollierten oder ergänzten. Dann gab es ein Team, das die Cover-Fotos für jedes Kapitel erstellte und auswählt. Wie auch bei der Erstausgabe gibt es bei der Neuauflage von L3T eine Reihe von URLs, die mit Hilfe eines Social-Bookmarking-Services und einheitlichen Tags eingepflegt wurden.

31 Leave a comment on Absatz 31 0 Neben der unmittelbaren Lehrbucherstellung gab es insbesondere durch die räumliche Verteilung einigen Bedarf an Kommunikations- und Community-Angeboten, die ebenso gestaltet werden mussten. Eine Journalistin hatte so als „mobilen Reporterin“ den Auftrag in den sieben Tagen alle L3T-Camps zu besuchen und von dort zu berichten. Täglich wurde um 9.00 Uhr live L3T TV ausgestrahlt und war später als Aufzeichnung anzusehen. Die Ausstrahlung erfolgte vom Basiscamp in Graz, aber es gab auch Live-Schaltungen zu den L3T-Camps, vorbereitete Videos und Trailer. Im Rahmen der Evaluation wurde am dritten Tag Feedback eingeholt und fortlaufend um Kritik gebeten. Die Aufgabe des Wohlfühl-Managements bestand ergänzend darin, proaktiv dafür zu sorgen, im Projekt ein kooperatives, offenes Klima und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

32 Leave a comment on Absatz 32 0 Neben dem L3T-Editor gab es mehrere technische Hilfsmittel zur Unterstützung bei der Koordination und Kooperation. So konnten alle Beteiligten über die Homepage jeweils per Webcam parallel in bis zu drei Camps „sehen“ und auch die über das System stattfindenden Gespräche zwischen den Camps verfolgen, dazu gab es eine Kooperation mit einem Videokonferenzanbieter (visicon). Im Weblog zum Projekt fanden (und finden) sich alle aktuellen Informationen. In welchem Prozessschritt sich die einzelnen Kapitel gerade befanden und wer ggf. dafür zuständig ist, wurde in Trello.org, einem Online-Projektmanagementtool verwaltet, dabei waren alle Einträge öffentlich zugänglich. Mit Hilfe eines Infogramm-Tools wurde regelmäßig der Projektfortschritt dargestellt. Die Texte wurden in unterschiedlichen Formaten und mit Hilfe unterschiedlicher Tools (u.a. Google Doc) angefertigt.

33 Leave a comment on Absatz 33 0 Am siebten Tag wurde das Buch am frühen Nachmittag online gestellt, in einer Live-Übertragung und -Schaltungen in alle Camps wurde auf den Erfolg angestoßen und Grußworte vom Fördergeber (netidee.at) sowie der Schirmherrin, der Österreichischen UNESCO-Kommission, verlesen. Durch eine Kooperation mit epubli, war das Buch sofort nach Veröffentlichung über die Verlagsseiten zu bestellen. Das Buch steht dabei unter einer offenen Lizenz (CC BY-SA), alle Mitmacher/innen sind im Weblog genannt – es sind insgesamt 220. Das Projekt hat am 1.3.16, wegen des ungewöhnlichen Vorgehens und auch aufgrund der intensiven Nutzung (im Februar 2016 500.000 Kapitel-Downloads) einen OER-Award in der Kategorie „Leuchturmprojekt“ erhalten.

3     Organisation der Booksprints im Vergleich

34 Leave a comment on Absatz 34 0 Viel Wert bei den hier dargestellten Booksprints im Kontext von Hochschulen wurde insbesondere auf Begutachtungsprozesse bzw. Qualitätssicherung gelegt. Im Folgenden möchten wir wesentliche Merkmale der Booksprints vergleichend darstellen (vgl. Tab. 2).

35 Leave a comment on Absatz 35 0 Tab. 2: Die Booksprints im Vergleich

37 Leave a comment on Absatz 37 0 Textsammlung
(Auwärter u.a. 2013)

38 Leave a comment on Absatz 38 0 Fallbeispiele
(Bremer u.a. 2015)

39 Leave a comment on Absatz 39 0 Lehrbuch (Ebner & Schön 2013)

41 Leave a comment on Absatz 41 0 Themenwahl, Bereitstellung von Etherpads, zentrales Dokument, Webspace

42 Leave a comment on Absatz 42 0 Detailplanung, v.a. inhaltlich: Vorauswahl von Themen, Gliederung der Fallbeispiele, Vorbereitung der Google Docs (u.a. Gliederungen)

43 Leave a comment on Absatz 43 0 Detailplanung über mehrere Monate hinweg, mit mehreren Camp-Leiter/innen und Verantwortlichen

44 Leave a comment on Absatz 44 0 Zahl der Beteiligten

46 Leave a comment on Absatz 46 0 (2 Personen für Vorbereitung, ca. 3 Arbeitstage)

47 Leave a comment on Absatz 47 0 12 Personen (3 Personen für Vorbereitung, ca. eine Arbeitswoche)

48 Leave a comment on Absatz 48 0 220 Personen (ca. 12 P. für Vorbereitung und Tool-Entwicklung, mehrere Arbeitswochen)

50 Leave a comment on Absatz 50 0 Ein Raum mit Laptops und WLAN

51 Leave a comment on Absatz 51 0 Ein Raum mit WLAN und online beteiligte EinzelautorInnen

52 Leave a comment on Absatz 52 0 9 L3T-Camps mit WLAN, mehrheitlich jedoch online Beteiligte

58 Leave a comment on Absatz 58 0 Autor/inn/en, Lektor/inn/en, Layouter/inn/en, Herausgeber/inn/en

59 Leave a comment on Absatz 59 0 Autor/inn/en und Reviewer/innen, in flexibler Rollenzuteilung

60 Leave a comment on Absatz 60 0 Zahlreiche Rollen, Aufgaben, koordinative Rollen, auch ungewöhnliche wie L3T TV

63 Leave a comment on Absatz 63 0 u.a. Zusammenführung, Redaktion, Lektorat, Feedback d. Arbeitsgruppe

64 Leave a comment on Absatz 64 0 PR, Projektevaluation

66 Leave a comment on Absatz 66 0 Etherpad, Weblog, Google Doc (für finales Dokument)

67 Leave a comment on Absatz 67 0 Google Doc, eigene Laptops zentrales Whiteboard

68 Leave a comment on Absatz 68 0 Eigener Editor, Google Hangout für TV, Video-konferenztool (Visicon), PM-Tool (Trello), Weblog u.a.

70 Leave a comment on Absatz 70 0 9 kurze Texte und ein Editorial, online zugänglich (CC BY)

71 Leave a comment on Absatz 71 0 PDF mit 86 Seiten, online zugänglich (CC BY-SA)

72 Leave a comment on Absatz 72 0 60 Kapitel als pdf/epub/html und in Print (CC BY-SA), 576 Seiten im PDF/Druck

4     Lessons Learned bzw. Empfehlungen für Nachahmer/innen

73 Leave a comment on Absatz 73 0 Aus den Erfahrungen der drei Fallstudien leiten sich verschiedene „Lessons Learned“ ab, die auch Empfehlungen für Nachahmer/innen darstellen können:

74 Leave a comment on Absatz 74 0 „Zuviel“ Vorbereitung und Planung gibt es nicht; wenn etwas nicht passt, ist Flexibilität gefragt.

75 Leave a comment on Absatz 75 0 Die Aufgaben müssen in überschaubare Einheiten aufgeteilt sein; einzelnen Textabschnitte sollten nicht mehr als in einem Sechstel (!) der Gesamtarbeitszeit anzufertigen sein.

76 Leave a comment on Absatz 76 0 Der letzte Textbeitrag muss, wenn keine Nacharbeit geplant ist, muss mit ausreichend Zeitabstand vor dem Finale geschrieben sein.

77 Leave a comment on Absatz 77 0 Vertrauen zu den Verantwortlichen und Commitment mit dem gemeinsamen Ziel, u.a. die gewählte Lizenz für die Veröffentlichung, ist wichtig, um Debatten zu vermeiden.

78 Leave a comment on Absatz 78 0 Transparenz in das Verfahren, Orientierung dabei, was es zu tun gibt und welche Aufgaben anstehen, sollte für alle Mitwirkenden gegeben und möglich sein.

79 Leave a comment on Absatz 79 0 Bereitschaft zur intensiven Kommunikation und Moderation. Diese muss mitunter von zentralen Akteuren übernommen werden (Rothe und Noffke, 2014).

80 Leave a comment on Absatz 80 0 Gerade beim Schreiben von Texten sind erfahrene Schreiber/innen wichtig.

81 Leave a comment on Absatz 81 0 Möglichkeiten der Mitwirkung für Personen mit eingeschränkt verfügbarer Zeit sind hilfreich.

82 Leave a comment on Absatz 82 0 Soziale Aspekte und das Wohlfühlen aller Beteiligten sind wichtig, gerade wenn es sich um freiwillige Aktivitäten handelt und die Beteiligten sich nicht (gut) kennen.

83 Leave a comment on Absatz 83 0 Ein gemeinsames, für alle spannendes Ziel, z.B. offen lizenzierte Bildungsmaterialien zu entwickeln, d.h. Materialien, die später auch genutzt werden können, etwas Neues auszuprobieren (Booksprint) und Autor/in bzw. namentlich genannte Mitmacher/in bei einem größeren Werk zu sein.

84 Leave a comment on Absatz 84 0 Am Ende gibt es notwendigerweise einen „Flaschenhals“ und nur noch einzelne sind mit der Finalisierung beschäftigt, hier können entsprechende Aktivitäten für andere vorgesehen werden.

85 Leave a comment on Absatz 85 0 Trotz dieser Empfehlungen gehen wir davon aus, dass es für Booksprints keine „Bauanleitungen“ oder „Rezepte“ gibt (vgl. Schaffert & Wieden-Bischof, 2009). Unsere Empfehlungen führen nicht zwangsläufig zu einem erfolgreichen Booksprint, sondern sind Rahmenbedingungen, die einen erfolgreichen Verlauf positiv beeinflussen können. Gerade bei der Setzung der Ziele und der Visualisierung von Prozessen können auch Erfahrungen mit Anreizsystemen einfließen (Schön u.a., 2012). Gleichzeitig fordern solche Experimente, beispielsweise auch ein im April 2016 von 99 Autorinnen und Autoren veröffentlichter Fachbeitrag (Al Lily u.a., 2016), der allerdings nicht in Form eines Booksprints geschrieben wurde, dazu heraus, über die tradierten Prozesse an Hochschulen nachzudenken.

86 Leave a comment on Absatz 86 0 Aus unserer Sicht lohnt es sich, hier zu experimentieren und zu investieren: Booksprints sind, bei guter Organisation und den richtigen Mitwirkenden, erfolgreiche und spannende Unternehmungen – auch im Kontext von Hochschulen.

88 Leave a comment on Absatz 88 0 Al Lily, A., u.a. (2016). Academic domains as political battlegrounds: A global enquiry by 99 academics in the fields of education and technology. In: Information Development. doi:10.1177/0266666916646415.

89 Leave a comment on Absatz 89 0 Alimucaj, A., Böckle, M., Ebner, M., Grossegger, M., Kaltenbeck, J., Kaltenbeck, P., Kroell, C., Leingartner, M., Lienhardt, C., Lorenz, A., Rossegger, B., Schön, S. und Solic, G. (2012). L3T – ein innovatives Lehrbuchprojekt im Detail: Gestaltung, Prozesse, Apps und Finanzierung. BOD: Norderstedt, frei zugänglich unter http://o3r.eu (2016-02-14)

90 Leave a comment on Absatz 90 0 Auwärter, A., Dahn, I., Ebner, M. & Schön, S. (2013). Lernmaterialien, die mich inspirier(t)en. Mein Lieblings-Lern-Content. URL: https://sansch.wordpress.com/2013/06/11/buch-sprint-in-3-stunden-mit-23-personen-jetzt-online-lernmaterialien-die-mich-inspirierten/ (2016-02-29)

91 Leave a comment on Absatz 91 0 Bremer, C.; Göcks, M.; Granow, R.; Grella, C.; Horndasch, S.; Janoschka, O.; Klöpper, H.; Meinel, C.; Pongratz, H.; Robes, J.; Schön, S.; Spörer, F. & Thillosen, A. (2015). Neue Kooperations- und Finanzierungsmodelle in der Hochschullehre. Ausgewählte Beispiele zu den Innovationsthemen Online-Kurse für viele (MOOCs), offene Bildungsressourcen (OER), Makerspaces und andere Innovationsräume sowie digitale Badges. Berlin: hochschulforum digitalisierung, URL: http://hochschulforumdigitalisierung.de/sites/default/files/dateien/ThGrI_NeueGeschaeftsmodelle.web_.pdf (2016-02-17)

92 Leave a comment on Absatz 92 0 Ebner, M., Frey, J., Hübner, A., Noffke, M., Rothe, H. & Schön, S. (2014). Wie man ein offenes Lehrbuch in sieben Tagen mit mehr als 200 Mitmacher/innen neu auflegt: – Über die kooperative Erstellung der Neuauflage des Lehrbuchs für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T 2.0). Band 7 der Reihe “Beiträge zu offenen Bildungsressourcen”, M. Ebner & S. Schön (Hrsg.) Book on Demand, Norderstedt bzw. frei zugänglich unter http://o3r.eu (2016-02-14)

93 Leave a comment on Absatz 93 0 Ebner, M. & Schön, S. (2011, Hrsg.). Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. Frei zugänglich unter URL: http://l3t.eu, Softcover Version: epubli, Hardcover Version: BOD, frei zugänglich unter: http://l3t.eu (2016-02-15)

94 Leave a comment on Absatz 94 0 Ebner, M. & Schön, S. (2013, Hrsg.). Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien. (überarbeitete und erweiterte Ausgabe). Hardcover Version: Berlin: epubli, frei zugänglich unter: http://l3t.eu (2016-02-15)

95 Leave a comment on Absatz 95 0 Kean, M. (2012). Open source publishing, ‘book sprints’ and possible futures. In: Junctures: The Journal for Thematic Dialogue, 15

96 Leave a comment on Absatz 96 0 Rothe, H., & Noffke, M. (2014). Die (Selbst-) Organisation einer Online-Community beim offenen Buchsprint L3T 2.0. In: M. Ebner u.a. (Hrsg.), Wie man ein offenes Lehrbuch in sieben Tagen mit mehr als 200 Mitmacher/innen neu auflegt, S. 55-62.

97 Leave a comment on Absatz 97 0 Schaffert, S. & Wieden-Bischof, D. (2009). Erfolgreicher Aufbau von Online-Communitys. Konzepte, Szenarien und Handlungsempfehlungen. Salzburg: Salzburg Research. URL: http://www.slideshare.net/snml/erfolgreicher-aufbau-von-onlinecommunitys-konzepte-szenarien-und-handlungsempfehlungen (2016-03-01)

98 Leave a comment on Absatz 98 0 Schwaber, K., & Beedle, M. (2002). Agile software development with Scrum. Upper Saddle River, NJ: Prentice Hall.

99 Leave a comment on Absatz 99 0 Schön, S.; Ebner, M.; Rothe, H.; Steinmann, R. & Wenger, F. (2013). Macht mit im Web! Anreizsysteme zur Unterstützung von Aktivitäten bei Community- und Content-Plattformen. Salzburg: Salzburg Research.

100 Leave a comment on Absatz 100 0 Yin, R. K. (2013). Case Study Research: Design and Methods. Essential guide to qualitative methods in organizational research (5th ed., Vol. 5). Thousand Oaks, California: Sage Publications

101 Leave a comment on Absatz 101 0 Zennaro, M., Canessa, E., Fonda, C., Belcher, M., & Flickenger, R. (2007). Book Sprint: A New Model for Rapid Book Authoring and Content Development. International Journal of the Book, 4(1).


102 Leave a comment on Absatz 102 0 [1] Das Hochschulforum Digitalisierung ist eine unabhängige nationale Plattform, die von Stifterverband, Hochschulrektorenkonferenz und Centrum für Hochschulentwicklung betrieben wird. Ziel des Hochschulforums ist es, die Diskussion zur Digitalisierung der Hochschullehrer mit Hilfe von etwa 70 Expertinnen und Experten voranzutreiben.

Quelle:http://2016.gmw-online.de/036/